Wer bisch jetzt du?

18.09.15

„Nein, ich helfe dir nicht. Ich habe genug gearbeitet in meinem Leben“. So antwortet Frau Zimmermann meist, wenn ihre Tochter sie fragt, ob sie ihr beim Kochen helfen wolle. Mehr Initiative zeigt die ehemalige Hotelierin, wenn es darum geht nach Hause zu kommen. Zuhause - das ist in ihrer Wahrnehmung nicht der Ort, an dem sie mit ihrem Mann fünf Kinder groß gezogen hat und einen Tourismusbetrieb aufgebaut hat. Zuhause ist für sie der Ort ihrer eigenen Kindheit. Deshalb werden alle, die ihr begegnen gefragt, ob sie in den kleinen Weiler fahren, ob sie ein Auto hätten und ob sie sie hinbringen würden. „Wir sagen dann: Ja, Oma, wir fahren in einer halben Stunde“, erzählt ihre Enkelin und lächelt: „So ist sie beruhigt und wartet zufrieden, dass es losgeht.“

 

Dass sie vergesslich geworden ist, bemerkte die Familie erstmals vor sechs Jahren. Auf die Frage des Hausarztes antwortete die betagte Frau, dass sie keine Tabletten brauche. „Das hat aber nicht gestimmt“, erzählt ihre Enkelin. Bald darauf war klar: Oma ist dement. 

 

Als Schülerin der Schule für Sozialbetreuungsberufe stieß die Enkelin auf eine Caritas-Broschüre für Rufseminare zum Thema Demenz. Bald darauf saßen die 18 Enkelkinder, die Kinder und der Ehemann von Frau Zimmermann mit der Demenzexpertin der Caritas im Zillertal zusammen: Die Frage was Demenz genau ist, war ebenso Thema des Gesprächs mit der Demenzexpertin wie die schmerzhafte Erkenntnis, dass Demenz nicht heilbar ist. Die Erkenntnis, dass sich die Oma immer mehr in die Vergangenheit zurückziehen bzw. sich in ihrer Gefühlswelt beheimaten wird, war vor allem für ihren Ehemann schwierig. „Für den Opa war es, wie wenn er seine Frau verlieren würde. Für uns Enkelkinder war es schmerzhaft uns vorzustellen, dass die Oma, die immer auf uns aufgepasst hat, uns bald nicht mehr kennen würde“, beschreibt die junge Frau die einprägsamsten Erkenntnisse des Vortragsabends im Familienkreis. „Sehr hilfreich war für unsere Familie aber auch zu hören, wie wir mit Oma gut kommunizieren können. Sie ist zufrieden, wenn wir ihr das Gefühl geben, es passt alles“, freut sie sich, dass ihr Opa nun viel mehr darüber spricht wie es ihm dabei geht. „Durch den Vortrag haben wir alle den gleichen Wissenstand gehabt und haben bei Unklarheiten gleich nachfragen können“, zählt sie die Pluspunkte eines Rufseminars auf. 

 

Caritas Demenz-Servicezentrum

Seit 2008 engagiert sich die Caritas in ganz Tirol für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bzw. für einen Perspektivenwechsel in Bezug auf Demenz. Die Demenzberatung, das Angehörigencafé in Imst bzw. Innsbruck und die Besuchs- und Begleitdienste können Dank unserer Spender/innen kostenlos angeboten werden. Die zwölf Seminare und Vorträge der „Bildungsreihe Demenz“ sind als Rufseminare konzipiert – d.h. sie werden auf Anfrage vor Ort durchgeführt.

-> Forderungen anlässlich des Weltalzheimertages