Überforderung anerkennen und Hilfe zulassen

13.05.20

Die Mitarbeiter/innen in der Caritas Familien- und Lebensberatung, Tanja Ganzenhuber, Katia Fabbri und Minh Nguyen stehen Einzelpersonen und Familien in Übergangssituationen und Krisen mit Rat und Hilfe zur Seite (Foto: Caritas Schöpf).

 

Wie sieht euer Arbeitsalltag in Zeiten von Corona aus?
Durch die Corona-Pandemie haben sich unsere Rahmenbedingungen und somit das Beratungssetting verändert. Die nicht greifbare Angst und die Ungewissheit lassen uns alle den Atem anhalten, weil wir auf keine Erfahrung zurückgreifen und das Ausmaß nicht begrenzen können. Wir sind als Berater/innen, aber auch als Menschen betroffen. Das erfordert auf beiden Seiten einen neuen Umgang mit der Situation. Die Situation mobilisiert andererseits eine große Bereitschaft zur Solidarität, die wir im Land erleben und zu der wir aktiv beitragen wollen.

Welche Probleme treten derzeit in den Familien auf?
Routinen und Sicherheiten brechen für sehr viele Menschen weg. Wir sind mit der Frage und mit dem Anspruch konfrontiert, wie wir funktionieren können. Damit hat sich der Fokus der Fragen für den Moment verändert. Sie sind weit gestreut: Existenz- und Zukunftsängste, Sorgen um Angehörige, Trauer und Einsamkeit bei Erwachsenen und bei Kindern, das Miteinander in der Alltagsbewältigung bis hin zur häuslichen Gewalt.

Was sind besonders schöne Momente in eurem Arbeitsalltag?
Familienberatung ist eine erfüllende Arbeit. Besonders schöne Momente erleben wir dann, wenn Menschen uns Vertrauen entgegenbringen oder es uns gelingt, Vertrauen zu schaffen. Wir sind davon überzeugt, dass diese Vertrauensbasis die Voraussetzung dafür ist, Menschen, die unser Angebot in Anspruch nehmen, in ihren Anliegen begleiten und unterstützen zu können.

Welche Tipps kann man geben?
Es gibt kein Rezept für Ausnahmesituationen und in der Krise kann nicht alles funktionieren. „Gut genug“ ist das Optimum in einer Situation, in der wir mit den eigenen Ressourcen hauszuhalten lernen müssen. Dazu gehört es, Belastung und Überforderung anzuerkennen und sich Hilfe zu holen.

Wie seid ihr erreichbar?
Wir sind telefonisch und per Mail erreichbar. Unser Angebot richtet sich an alle, die in einer belastenden Situation Unterstützungsmöglichkeiten oder einfach nur ein Gespräch suchen.

Durch Information, Beratung und konkrete Hilfestellung bieten die Caritas Familien- und Lebensberatung kurz- oder langfristige Unterstützung an. Die Beratungen sind für alle Menschen in der Diözese Innsbruck kostenlos und vertraulich - unabhängig von Herkunft und Religion. Rund 800 Beratungen werden jährlich bei der Caritas Familien- und Lebensberatung durchgeführt.