Mein Recht - Bildung für alle - Armenien

Siranush (Name geändert) ist in der Schulgemeinschaft bei allen Aktivitäten eingebunden (Foto: Caritas Tirol). 

 

“Wenn man möchte, dass ein Kind Teil der Gesellschaft ist, muss man ihm/ihr ermöglichen, die Schule zu besuchen. Das ist der erste Schritt. Für eine Gesellschaft, in der für alle Platz ist, braucht es zuerst Familien, die ihre Kinder so annehmen und fördern, wie sie sind“, erklärt Suren, ein junger Mann mit Beeinträchtigung, der Teil des Teams der armenischen Caritas bei der Umsetzung dieses Projekts sein wird. 

Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben oft keinen Zugang zu Bildung. Wenn heute die gesellschaftliche Teilhabe und die Chance zur Entfaltung der eigenen Potentiale und Möglichkeiten verweigert werden, nimmt man ihnen auch die Möglichkeit, künftig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Deshalb will die Caritas Armenien diesen Kindern und Jugendlichen Zugang zu Bildung ermöglichen.  

So wie Siranush, die enorm vom Schulbesuch in einer integrativen Klasse profitiert. „Besonders interessant finde ich den Naturkundeunterricht und auch Russisch spreche ich schon gut. Die Ferien mag ich gar nicht, da ich dann meine Freundinnen nicht sehe.“ Der Schulweg stellt ihre Mutter vor eine tägliche Herausforderung. Sie erzählt, dass sie Siranush während der Schulzeit täglich am Rücken vom dritten Stock (!) ins Erdgeschoss trägt – dort wartet der Rollstuhl auf sie. Dann bringt sie das Mädchen mit dem Taxi zur Schule.

Bei Schulbesuchen zeigten sich schon zahlreiche Fortschritte und Erfolge in der inklusiven Betreuung der Kinder. Die baulichen Maßnahmen waren offensichtlich. So wurde beispielsweise in einer Schule eine zweite barrierefreie Toilette und in einer anderen Schule ein Treppenlift gebaut. Ein Direktor erläuterte: “Kinder in inklusiven Klassen sind sensibler und kümmern sich besser umeinander. Eltern wollen oft nicht, dass ihre Kinder diese Klassen besuchen, aber nach einiger Zeit stellen sie fest, dass es einen sehr positiven Einfluss auf sie hat und sind zufrieden.“ ALLE Eltern und Lehrer/innen in den Prozess einzubinden, ist wohl eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit ein gesellschaftliches Umdenken stattfindet. Zur nachhaltigen Schulentwicklung trägt der im Projekt angewandte Index für Inklusion, aber auch die im Projekt angebotenen Trainings für Lehrerinnen und Lehrer bei.  Wichtig ist aber auch die konkrete Unterstützung der Kinder mit technischen Hilfsmittel, die eine Teilhabe am Unterricht erst möglich machen. 

 

Dieses Projekt wird gefördert von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und der Caritas Tirol.