A wie Armenien, Albert und Ala

20.01.16

Ein kleines Mädchen sitzt an einem Tisch und schaut nachdenklich in die Luft.

Öffnen wir Kindern die Türe in ihre Zukunft: Ausreichende und ausgewogene Ernährung ist der Boden für gesunde Entwicklung, Ausbildung und Zukunftschancen
Ala und Albert haben Glück. Im Caritas-Kindergarten bekommen sie Milch zu trinken, frisches Obst und Gemüse, hin und wieder auch Eier und Fleisch. Das ist in Armenien für jedes zweite Kind keine Selbstverständlichkeit – sie und ihre Eltern sind arm. Richtig arm. Wenn es daheim etwas zu essen gibt, dann Kartoffeln, Nudeln und Brot. Mangelernährung ist die Folge.

In vier Kindergärten in Gyumri, in Sepasar und in Ghazanchi legen die MitarbeiterInnen der Caritas Armenien mit Unterstützung der Caritas Tirol seit zwei Jahren ihren Schwerpunkt auf gesunde, ausgewogene Ernährung. Seitdem sind die Kinder seltener krank. Mangelernährung senkt gerade bei Kindern in den ersten Lebensjahren die Chance sich körperlich und geistig optimal zu entwickeln. Die Menschen in Armenien stehen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der staatlichen Strukturen, durch eingeschränkte Handelsbeziehungen mit den umliegenden Nachbarstaaten und der Wirtschaftskrise vor riesigen Problemen. Die Kosten für Lebensmittel, Gas oder Elektrizität sind bis zu einem Drittel gestiegen.

Kindergärten sind Bildungseinrichtungen
Ala ist vier Jahre alt und besucht den Kindergarten in Gyumri. Ihre Eltern waren vor dem Bürgerkrieg nach Syrien ausgewandert, weil sie dort Arbeit gefunden hatten. Jetzt mussten sie wieder fliehen. Verwandte haben sie aufgenommen. Noch immer wacht Ala in der Nacht auf, völlig verschwitzt, voller Angst und weint. Es fehlt an vielem, aber es gibt Lichtblicke: Sie liebt das gute Essen im Kindergarten und ist nicht mehr ständig krank. Am liebsten spielt Ala in der Kinderküche oder mit Puppen. Sie singt gerne, tanzt und zeichnet mit Hingabe. Das sind Augenblicke einer normalen Kindheit. Hoffnungsschimmer, die sie dringend benötigt.

Der Vater weit weg, die Mutter allein verantwortlich 
Wie Ala können auch Albert und sein Bruder von einer unbeschwerten Kindheit nur träumen. Sein Vater arbeitet in Russland. In unregelmäßigen Abständen schickt er Geld an seine Familie daheim. Über die Jahre ist der Kontakt immer dürftiger geworden. Albert kann sich an seinen Vater nicht erinnern. Die Mutter sucht seit langem nach einer fixen Arbeitsstelle. Dennoch: Was an Albert besonders auffällt, ist sein scharfer, logischer Verstand und sein außergewöhnliches Gedächtnis. Er ist voller Energie, wenn es um Sport und Bewegung geht – und auch er liebt das gute Essen im Kindergarten.