Wenn es Zuhause so gut wie gar nichts gibt

20.01.16

Betritt man den langen, dunklen Gang ist der erste Gedanke: „Hier kann doch keiner wohnen“. Falsch! 100 Familien leben in den ehemaligen Fabriksarbeiterwohnungen in Satu Mare, einer Stadt im Nordwesten von Rumänien. Das Stiegenhaus des Plattenbaus ist aus Beton und ohne Fenster. Dort besuchen wir gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Caritas Satu Mare eine Familie. Ihr achtjähriger Sohn Denis geht jeden Nachmittag nach der Schule in das „Haus der Freundschaft“, einem Hort für Kinder und Jugendliche bzw. einem Kindergarten.

Eine Tür öffnete sich. Denis Vater begrüßt uns freundlich. Am Bett im einzigen Raum der Wohnung sitzt die Mutter mit Denis und seinen vier Geschwistern. Im Zimmer ist es stickig und heiß. Fließendes Wasser gibt es nur am Ende des Gangs im Gemeinschaftsbad. 20 Familien teilen es sich. Strom gibt es nur sporadisch. In einer Ecke ist eine kleine Küche. Leise sagt die Mutter wie froh sie sei, dass Denis das „Haus der Freundschaft“ besuchen darf. Das Leben ist schwer für die Familie. Der Vater arbeitet zwar Vollzeit, mit seinem Gehalt als Raumpfleger von 150,-- EUR liegt er aber weit unter dem rumänischen Durchschnittsgehalt von 340,- EUR. Wie die Familie für ihren Lebensunterhalt aufkommt, ist bei Lebensmittelpreisen wie in Österreich schwer vorstellbar.

Einfach Kind sein dürfen
Jeden Tag nach der Schule besucht Denis das „Haus der Freundschaft“. Nur zwei Straßen vom seinem Wohnblock entfernt liegt das kleine Häuschen in einem idyllischen Garten. Liebevoll kümmern sich der Leiter Zsolt Lieb-Nemes und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen um die 60 Kinder. Neben einem Essen und der Hausaufgabenhilfe gibt es auch eine psychologische Betreuung. Denis liebt es im Garten mit den anderen Kindern zu spielen und mit der Straßenkreide bunte Bilder zu malen. Einfach mal Kind sein zu dürfen, zu spielen und fröhlich zu sein.

Im Hausgang hat er seine eigene Aufbewahrungsbox. Sein ganz persönliches Reich auf 25x50 cm. Dort bewahrt er sein Stofftier, seine Zeichnungen und andere Schätze auf. Für Kinder wie Denis ist das sehr wichtig, weiß die Sozialpädagogin der Caritas - viele Kinder haben Zuhause nichts, das nur ihnen alleine gehört. Einfach gar nichts.

Erfolge werden im „Haus der Freundschaft“ groß gefeiert. „Acht ehemalige Kinder aus unserem Haus, haben letztes Jahr die Schule abgeschlossen und studieren nun auf der Universität in Satu Mare“, freut sich Zsolt Lieb-Nemes. Als er es erzählt huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Einrichtungen wie das „Haus der Freundschaft“ der Caritas öffnen Kindern wie Denis die Türe in eine bessere Zukunft. Denn Bildung, Geborgenheit und ausreichende und ausgewogene Ernährung sind der Boden für eine gesunde Entwicklung und die Chance als Erwachsener sein Leben selbständig in die Hand zu nehmen.