Hilfsbereitschaft hat keine Nachwuchssorgen

15.07.19

Die Schüler/innen übergaben die Spende mit Religionslehrerin Elisabeth Girstmair an Bruder Matthias Reich, Caritasdirektor Georg Schärmer und Bernd Pirker (Wolfgangstube).

 

Im Rahmen eines Klassenausflugs in das Kapuzinerkloster erhielten die Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse Volksschule Amras auch einen Einblick in das Leben obdachloser Menschen in Tirol. Die Kapuziner stellen in ihrem Gebäude in der Kaiserjägerstraße 6  nämlich auch einen Raum, die sogenannte Wolfgangstube, der Caritas zur Verfügung. Dort erhalten Menschen in Not an 365 Tagen im Jahr eine warme Mahlzeit. Zufällig machten die Kinder bei ihrem Besuch eine ergreifende Begegnung, die sie so schnell nicht mehr loslassen sollte. Sie beobachteten eine weinende obdachlose Frau, die auf eine warme Mahlzeit wartete. Der Anblick berührte die Kinder so sehr, dass sie sich dazu entschlossen, etwas Großes auf die Beine zu stellen: Ohne Wissen der Schule ergriffen die Neun- und Zehnjährigen Eigeninitiative und schlossen sich zusammen, um Hilfe zu leisten. Mit selbstgemachten Basteleien, wie Schlüsselanhängern, Badesalz, Taschen, bunten Steinen, aber auch Keksen, Marmeladen und Blumensträußen stellten sie sich in ihrer Freizeit vor das Einkaufszentrum DEZ in Innsbruck und verkauften dort ihre Waren. Hier ließen sie ihren Verkaufskünsten freien Lauf und es summierte sich ein Betrag von insgesamt 614,63 Euro, der vor kurzem an die Caritas für ihre Obdachlosenhilfe übergeben wurde und für die Beschaffung von Lebensmitteln verwendet wird. 

Der Verkauf beim Stand hat viele schöne Begegnungen mit sich gebracht: ein Mann spendete beispielsweise gleich 45 Euro, von der Apothekerin gab es Zuckerln und ein weiterer Passant spendierte den Aktivist/innen ein Eis. Jedoch sei es nicht immer leicht gewesen. Viele Menschen haben nichts gegeben und die Kinder sogar teilweise beschimpft. Dennoch haben sie durchgehalten, weil es ihnen nicht egal war, wie es anderen Menschen geht: „Unsere Motivation war die traurige Frau vor der Wolfgangstube. Mit unserer Spende möchten wir ihr ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, so die „kleinen Helden“ unisono, die ihr Ziel jedenfalls erreicht haben.

Viele Menschen wären an der weinenden Frau regungslos vorbei gegangen – die Volksschüler/innen nicht. Kapuziner-Hausoberer Paul Borek war von diesem Engagement begeistert: „Die Kinder haben die Not gesehen und sind aktiv geworden. Ich bin dankbar und sehr beeindruckt vom ihrem Einsatz.“

„Solidarität und Hilfsbereitschaft haben keine Nachwuchsprobleme. Ich freu mich sehr darüber“, zeigte sich auch Caritasdirektor Georg Schärmer positiv überrascht. „Der Satz ‚Fürchtet euch nicht‘ steht insgesamt 365 Mal in der Bibel – mit so einer Jugend brauchen wir uns auch vor der Zukunft nicht zu fürchten“, betonte Schärmer abschließend.