„Wir halten zusammen“

12.05.20

Roberto umringt von seinen Enkelkindern, auf deren Besuch er sich immer sehr freut (Foto: Familie Tonin).

 

„Vor rund acht Jahren merkte ich bei Roberto eine Wesensveränderung, dachte mir aber anfangs immer, es ist Unaufmerksamkeit oder Desinteresse. Mit der Zeit fehlten ihm dann auch Worte und Namen und es kamen andere Defizite dazu“, so Johanna Tonin rückblickend. Trotzdem habe sich Roberto auf Dinge, die ihm wichtig waren, fokussiert und diese sehr gut erledigt. Lange war er beispielsweise als Schilehrer tätig und kümmerte sich um das Haus und seinen geliebten Garten. Vor drei Jahren bekam die Familie schließlich die Diagnose, dass Roberto an Alzheimer erkrankte. Es folgte eine schwere Zeit: Nach und nach verlor er die Sprache, die Orientierung, das Gedächtnis, Interessen und soziale Kontakte. Dazu kamen Uneinsichtigkeiten und Aggressionen beispielsweise bei der Körperpflege, dem Kleidungswechsel und beim Schlafen gehen. Trotzdem war die Diagnose für Johanna eine Erleichterung: „Ich lernte, die Krankheit zu akzeptieren und die Herausforderung anzunehmen.“

Austausch mit anderen
Roberto ist mittlerweile 82 Jahre alt und in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Die Fulpmerin hat inzwischen gelernt, mit der Situation umzugehen. „Im Demenzcafe der Caritas habe ich Menschen kennengelernt, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Der Austausch mit anderen tut mir gut und ich nehme gerne den wertvollen Rat von anderen an.“ Gute Informationen würden ihr helfen, in schwierigen Situationen gelassener zu sein: „Bei der Caritas möchte ich mich an dieser Stelle für die wertvollen Hilfestellungen bedanken.“

Optimistisch sein, Hilfe annehmen
Seit Jänner besucht Roberto dreimal wöchentlich die Tagesbetreuung im Vinzenzheim in Neustift und fühlt sich dort sehr wohl. Eine große Hilfe für Johanna, weil sie diese Zeit für sich nutzen kann. Unterstützung bekommt sie auch von ihren Schwestern Ilse und Midi, einer Freundin und ihrer Familie: „Ich bin auch unseren Nachbarn und den Dorfbewohnern sehr dankbar, die mich immer wieder verständigen, wenn mein Mann von zu Hause ausbricht und ihn gegebenenfalls wieder zurückbringen.“

Über 50 Jahre verheiratet
Als Diplomkrankenschwester hat Johanna keine Angst vor den pflegerischen Herausforderungen in der Zukunft: „Ich bin überzeugt, dass der Umgang mit dieser schweren Krankheit nur mit Einfühlungsvermögen und Humor bewältigt werden kann.“ Das Ehepaar Tonin ist jedenfalls noch näher zusammengerückt. Es wird weiterhin viel gelacht und das Zusammensein mit Familie und Freunden genossen: „Trotz großer Beeinträchtigungen ist Roberto der geliebte Mittelpunkt in der Familie und alle sind bemüht, ihm das Leben so schön wie möglich zu gestalten. Wir halten zusammen – auch nach über 50 Jahren Ehe.“

Caritas Angehörigencafé
Erfahrungen austauschen, Kraft tanken und Fragen stellen – das steht im Zentrum des Angehörigencafé des Caritas Demenz-Servicezentrums. Um trotz der herausfordernden Situation weiterhin das Angebot des Austauschs unter Gleichgesinnten zu ermöglichen, findet das Angehörigencafé derzeit virtuell einmal wöchentlich montags von 10:00-11:30 Uhr via Videokonferenz statt.