Die Preise steigen, die Sorgen auch. Für viele Menschen in Tirol ist der Alltag längst zu einem Balanceakt geworden: Reicht die Pension bis zum Monatsende? Bleibt noch etwas übrig für ein Stück Lebensqualität? Immer mehr Menschen finden eine Antwort im Tiroler Sozialmarkt, der zur Hälfte von der Caritas Tirol und zur anderen Hälfte von der Stadt Innsbruck getragen wird – kurz Tiso. Hier dürfen jene einkaufen, deren Einkommen eine bestimmte Grenze nicht überschreitet.
4000 Berechtigte zählt der Sozialmarkt inzwischen – Tendenz steigend. Die anhaltende Teuerung trifft vor allem ältere Menschen hart. "Wir sehen täglich, wie groß die Not ist", sagt Felix Staats, Geschäftsführer des Tiso. "Und wir sehen auch, wie viel ein freundliches Wort bewirken kann."
Frau M., über 94 Jahre alt, gehörte zu den treuen Kundinnen des Sozialmarktes. Vor einigen Monaten erlitt sie einen Schlaganfall. Danach war das Leben nicht mehr so wie zuvor: eingeschränkte Mobilität, kaum Freude am Alltag. Als sie zum ersten Mal nach ihrer Entlassung wieder den Tiso betrat, war sie still, kraftlos, gezeichnet. "Wir haben uns bewusst Zeit genommen", erzählt Staats. “Ein Gespräch, ein Lächeln, ein paar aufmunternde Worte. Kein großes Programm – einfach ehrliche Menschlichkeit.”
Mit jedem Besuch blühte Frau M. ein Stück mehr auf. Heute kommt sie wieder regelmäßig vorbei. Und jedes Mal sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln: "Ich komme wieder mal vorbei, um mir eine Prise gute, positive Laune abzuholen!" Für das Team des Sozialmarktes sind solche Momente unbezahlbar. Sie zeigen, dass der Tiso weit mehr ist als ein Ort zum günstigen Einkäufen. Er ist ein Ort der Begegnung, des Miteinanders und der Hoffnung.
