„Ich finde es wichtig, die Fragen zu stellen, die eine Spendenorganisation vielleicht nicht stellt.", sagt Lucy Weissensteiner. Die 48-jährige Sozialbetreuerin lebt in der Nähe von Innsbruck und ist seit 2017 Mitglied im Projektkomitee von Bruder und Schwester in Not. Die Tiroler Organisation führt Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in Ländern des globalen Südens durch. Lucy Weissensteiner kam selbst vor fast 20 Jahren der Liebe wegen aus Uganda nach Österreich.
Bruder und Schwester in Not lernte sie vor vielen Jahren kennen, als die Organisation um Spenden für ein Projekt in ihrem Herkunftsland warb. „Ich meldete mich bei den Verantwortlichen, ob es abseits des Spendens noch weitere Möglichkeiten der Unterstützung gäbe.", erinnert sie sich. „Wir haben länger darüber gesprochen und dann habe ich zum Beispiel einmal bei einem Dinnerclub ugandisch gekocht." Der gute Kontakt blieb und schließlich wurde sie gebeten, die ehrenamtliche Aufgabe im Projektkomitee zu übernehmen. Bei diesem Komitee handelt es sich um ein Gremium von externen fachlich kompetenten Personen, um Unabhängigkeit und Sachlichkeit bei der Projektauswahl zu garantieren. Ihm werden alle neu konzipierten Projekte der Organisation zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt.
Lucy Weissensteiner trägt hier u.a. ihre authentische Kenntnis eines der Projektländer sowie der Lebensrealität der Menschen vor Ort bei. „Da ich aus Uganda stamme, kann ich eine andere Sichtweise einbringen.", meint sie. Andere Mitglieder stammen zum Beispiel aus Fachbereichen, in denen die Projekte angesiedelt sind oder forschen an der Universität zu Themen der Entwicklungszusammenarbeit.
Für ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit sind ihrer Sicht nach zwei Punkte besonders wichtig: Zum einen die Nachhaltigkeit der Projekte: „Nach Ende der Finanzierung muss ein Projekt auch ohne Bruder und Schwester in Not weitergehen können“, hält sie fest und ergänzt ein zweites wichtiges Kriterium: „Die Menschen, für die die Projekte gedacht sind, müssen in diese auch involviert sein!“ Vor Ort würden die Menschen am besten wissen, was nötig ist. „Die beiden Kriterien hängen miteinander zusammen.", so Lucy Weissensteiner. „Menschen sollten sich weiterentwickeln können und die Initiative irgendwann selbst tragen können. Nur so kann ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit wirklich nachhaltig wirken."
