© Christine Stolz

20) Vom Kriegsgefangenen zum Friseur

Als Arman 2020 in den Zweiten Bergkarabach-Krieg zog, war er gerade einmal 23 Jahre alt. Er wollte seine Heimat verteidigen – und verlor dabei fast alles. Während der Kämpfe geriet er in die Gefangenschaft aserbaidschanischer Streitkräfte. Drei Jahre lang kehrte er nicht mehr nach Hause. Für seine Angehörigen war es ein Albtraum: Sie wussten nicht, ob ihr Sohn, ihr Bruder, ihr Freund jemals heimkehren würde.

Als Arman endlich freikam, war nichts mehr wie zuvor. Die seelischen Wunden waren tief, die Erinnerungen an die Gefangenschaft lasten schwer auf dem jungen Mann. Doch inmitten dieser Dunkelheit gab es einen Lichtstrahl: Die Caritas Armenien. Während seiner Abwesenheit hatte sie seiner Familie Halt und Hoffnung gegeben – auch mit Gesprächen und psychosozialer Betreuung. Und auch für Arman war die Caritas ein Rettungsanker. 

Er wurde Teil des Projekts „Neustart nach dem Krieg“, das Menschen wie Arman nicht nur psychologische Begleitung, sondern auch eine Perspektive und die Chance, neu anzufangen, gibt. Eine Kombination aus schneller humanitärer Hilfe und langfristiger Unterstützung hat Aman seinen ganz persönlichen Neustart ermöglicht. Er wagte den Schritt und entdeckte dabei seine Leidenschaft für das Friseurhandwerk. Heute steht er kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung in einem Salon in Gjumri, einer Stadt im Norden Armeniens. Aus dem Soldaten, der nicht wusste, ob er je wieder ein normales Leben führen würde, ist ein junger Mann geworden, der klare Ziele im Leben hat.

„Ich mag die Arbeit hier sehr“, sagt Arman. „Ich war Soldat und wusste lange nicht, welche anderen Fähigkeiten ich habe. Dank der Caritas konnte ich verschiedene Berufe ausprobieren. Am besten gefiel mir die Arbeit als Friseur – und ich bin sehr glücklich hier in diesem Salon. Ich bin dankbar für die Unterstützung meiner Familie während meiner Gefangenschaft und für die Möglichkeiten, die sie mir gegeben haben.“

Arman hat gelernt, dass selbst nach den dunkelsten Stunden ein neuer Morgen kommt. Sein Weg zeigt: Mit Hoffnung, Hilfe und Mut kann man zurück ins Leben finden.