Eigentlich studiert Carmen Raifer Bildungs- und Erziehungswissenschaften – und wäre damit prädestiniert, mit Kindern zu arbeiten. Doch die junge Südtirolerin entschied sich bewusst anders: für ältere Menschen. „Das war für mich eine neue Zielgruppe, das hat mich gereizt“, erzählt sie.
Über ihre Universität wurde Carmen auf das Projekt Be the change-Service Learning aufmerksam, das das Caritas Freiwilligenzentrum Tirol Mitte in Kooperation mit Hochschulen anbietet. Studierende können dabei ECTS-Punkte sammeln, wenn sie sich freiwillig engagieren. „Mich hat der praktische Aspekt angesprochen – Theorie haben wir auf der Uni genug.“
So kam Carmen ins Wohnheim Lohbach in Innsbruck. Dort ist der Alltag geprägt von Fürsorge, Gemeinschaft – und vom Engagement von rund 40 Freiwilligen. Koordiniert von den Ergotherapeutinnen Claudia Gollmayer und Carina Wallner unterstützen sie die hauptamtlichen Mitarbeiter*innen. „Die Freiwilligen sind oft die Kirsche auf dem Kuchen“, sagt Claudia. „Sie können sich auf einzelne Personen konzentrieren – für Gespräche, Spaziergänge oder Spiele. Gerade in Zeiten des Pflegekräftemangels ist das unglaublich wertvoll.“
Carmen begann zunächst in verschiedenen Gruppen mitzuarbeiten, half bei Veranstaltungen und lernte viele Bewohner*innen kennen. Doch bald entwickelte sich eine besondere Beziehung: Sie kümmerte sich regelmäßig um eine Seniorin, die nicht viel Besuch bekam. „Anfangs machten wir Spaziergänge, ratschten viel oder spielten Karten“, erinnert sie sich. Eigentlich wäre ihr Einsatz mit Ende der vorgeschriebenen Stunden vorbei gewesen – doch Carmen blieb. „Ich hab‘ gemerkt, dass ich wirklich Freude bereiten kann. Es kam so viel Wertschätzung zurück, deshalb wollte ich weitermachen.“
Als es der Seniorin gesundheitlich schlechter ging, begleitete Carmen sie bis zuletzt. „Natürlich weiß man, dass Menschen im Heim sterben können. Aber wir hatten eine schöne Bindung aufgebaut – es war dann schon ein Schock.“ Auch nach dem Tod blieb Carmen dem Wohnheim treu und kümmert sich nun um eine andere Bewohnerin – ganz selbstständig.
Das Beispiel zeigt, wie sehr freiwilliges Engagement bereichert – für beide Seiten. „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht“, betonen Claudia und ihre Kollegin Carina. „Die Student*innen kommen nicht nur wegen der Punkte – sie bringen echte Motivation mit.“
Und was rät Carmen anderen jungen Menschen, die überlegen, sich zu engagieren? „Machen! Besonders wir jungen Leute haben so viel Zeit – das vergisst man manchmal. Davon kann man leicht etwas abgeben. Und dafür unglaublich viel zurückbekommen.“
